Aus Acker werde Klimawald und Vielfalts-WG!

Baustelle im Stiftungsland Stecknitz-Delvenau in der Gemeinde Witzeeze startet kommende Woche


Heimische Laubwälder sind nach Mooren DIE Klimaschützer Nr. 2! Deshalb verwandeln die Vielfaltschützer*innen der Ausgleichsagentur Schleswig-Holstein – eine 100 %ige Tochter der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein – den ehemals intensiv genutzten Acker in der Gemeinde Witzeeze bei Schwarzenbek im Kreis Herzogtum-Lauenburg in einen heimischen Laubmischwald.

Schweres Gerät rollt also ab Montagmorgen über den Acker des Stiftungslandes Stecknitz-Delvenau. Der Bagger sorgt dann dafür, dass in einem ersten Schritt  die Drainagen gekappt und die Rohrleitungen, die unter der Fläche verlaufen, an die Oberfläche geholt werden. „Damit lassen wir das Wasser nach ergiebigen Regenfällen ungelenkt über die Fläche laufen und hier versickern“, erklärt Maßnahmen-Managerin der Ausgleichsagentur Ann-Kathrin Brandt. Auf diese Weise entsteht mit dem neuen, sumpfigen Wald eine Kohlenstoff-Senke. Mit anderen Worten: Der Wald nimmt die klimaschädlichen Gase, wie beispielsweise Kohlenstoffdioxid, auf und bindet sie langfristig. Zudem wird der Wald durch die sumpfigen Bereiche langfristig auch dem Klimawandel besser standhalten, da die Bäume viel Wasser zur Verfügung haben und so problemlos Dürre und Trockenheits-Perioden überstehen können.

In einem zweiten Schritt wird dann ein Wildschutzzaun um die etwa acht Hektar große Fläche gebaut und im Herbst folgt dann der letzte Schritt: rund 12.500 heimischen Laubbäume und -sträucher kommen in die Erde. „Ziel ist es hier einen Eichen-Hainbuchenwald zu entwickeln und in den stark vernässten Bereichen einen Sumpfwald zu etablieren“, sagt Brandt. Naturnahe Eichenwälder zählen zu den artenreichsten Wäldern, die wir in Schleswig-Holstein haben, ergänzt sie. Hier werden sich, so mutmaßt Brandt, relativ schnell Spechte und Kraniche wohlfühlen. Außerdem werde ein abwechslungsreicher Waldrand mit vielen Sträuchern entwickelt, die wiederum einen nahezu perfekten Lebensraum für die stark bedrohte Haselmaus bieten.

Auch Fledermäuse werden den neuen Wald schnell für sich entdecken, hofft Brandt. Sie nutzen die Fläche schon im frühen Stadium als Nahrungsfläche. „Je älter der Wald dann wird, desto höher sind die Chancen, dass sich über die Zeit auch Höhlen und Spalten in den Bäumen bilden, die den Fledermäusen auch in sensiblen Phasen wie der Jungen-Aufzucht ein Zuhause bieten“, fügt Brandt hinzu. Neben Hasel- und Fledermaus findet auch der europaweit streng geschützten Moorfrosch und der Grasfrosch hier ein Zuhause – es ensteht also eine wildbunte Klimawald-WG.